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Verträglichkeit oder Vereinbarkeit


Klar, in wenigen Jahren wird das Arbeitslosenproblem gelöst sein, da es zu wenig junge arbeitsfähige Menschen geben wird. Wir werden fast darauf angewiesen sein, dass Väter und Mütter im Erwerbsleben stehen, damit unsere Gesellschaft funktio­niert. Die Bundesregierung und Wirtschaftsverbände stoßen gute Projekte an, die zeit­liche und finanzielle Verträglichkeit von Familie und Beruf verbessern können. Bei­spiele sind Betriebskindergärten, flexible Arbeitszeiten für Eltern, Telearbeitsplätze Zuhause usw. Vereinbarkeit geht aber über eine Verträglichkeit hinaus. Ich stelle mir dann vor, dass Arbeit und Familie sich einander ergänzen können, dass hier nicht zwei voneinander isolierte Lebensbereiche dahinvegetieren, sondern eine bessere Ver­einbarkeit möglich wird, dass beide Lebensbereiche in einem gewissen Maß vonein­an­der profitieren. Ganz einfach und völlig einsichtig ist, dass wir unsere Kinder so er­ziehen, dass sie später in ihrem Beruf gute psychosoziale Voraussetzungen haben wie zum Beispiel Frustrationstoleranz, soziale Kompetenzen des Zuhören und Sprechens, der Rück­sichtnahme usw. Eltern,


denen diese Erziehungsziele annähernd gelingen, geben ihren Kindern mehr mit als Frühenglisch, den neuesten Lern-PC, das Handy mit 12 Jahren oder die Klassenfahrt nach London. Immer häufiger stützt sich die Personal­ent­wicklung in deutschen Unternehmen auf biographische Interviews, in denen fest­ge­stellt wird, ob diese Kompetenzen in Kindheit oder Jugend erworben wurden.[1] Und bitte schön: Wo können unsere Kinder soziale Kompetenz besser lernen als in der Fa­mi­lie mit Mama und Papa und gegebenenfalls Geschwistern? Klar, das ist nicht im­mer einfach, eine positive Beziehung in der Familie aufzubauen, klare Vereinba­run­gen zu treffen und konsequent zu sein. Es ist eine Herausforderung für Eltern, in emo­tional angespannten Situationen einen kühlen Kopf zu behalten, dem Kind gegenüber Fehler zuzugeben und um Verzeihung zu bitten. Aber eines kann ich Ihnen versich­ern: Wer dies in der Familie lebt, dem stehen diese Kompetenzen auch am Arbeits­platz zur Verfügung.

Literaturquelle

[1] Landmesser, Matthias: Kompetenz gewinnt. Rheinischer Merkur Nr. 19; 06. Mai 2004